Besteuerung grenz√ľberschreitender Dienstleistungen aus der polnischen Sicht

 
Die Besteuerung grenz√ľberschreitender Dienstleistungen ist vom Gesetz √ľber die Mehrwertsteuer vom 11. M√§rz 2004 und in der Verordnung des Finanzministers √ľber die Mehrwertsteuerbefreiung vom 20. Dezember 2013 geregelt. In dem Gesetz und in der Verordnung ist das Territorialprinzip sehr wichtig. Laut dem Territorialprinzip ist die Besteuerung vom Ort der Dienstleistung abh√§ngig. Ort der Dienstleistung ist in Artikel 28b - 28n des Gesetzes √ľber die Mehrwertsteuer festgelegt. Die Festlegung h√§ngt davon ab, ob die Dienstleistungen f√ľr Steuerpflichtige (Unternehmer) oder f√ľr diejenigen, die nicht steuerpflichtig sind, wie zum Beispiel Verbraucher, geleistet werden.
 
Gem. Art. 28b des oben genannten Gesetzes werden Dienstleistungen, welche f√ľr Steuerpflichtige geleistet werden, grunds√§tzlich an dem Ort besteuert, an dem der Dienstleistungsempf√§nger seinen Sitz, beziehungsweise seine wirtschaftliche T√§tigkeit hat. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel, unter anderem Artikel 28e, Art. 28f Ab. 1 und Ab. 1a,¬† Art. 28g Ab. 1, Art. 28i, Art. 28j Ab.1 und Ab.2 sowie Art. 28n (im Bereich von Immobiliendienstleistungen, Transportdienstleistungen, Dienstleistungen f√ľr Kultur, Sport und Bildungsveranstaltungen, touristischen Dienstleistungen, sowie Dienstleistungen im See- und Luftverkehr). Wenn der Dienstleistungsempf√§nger keinen Sitz wirtschaftlicher T√§tigkeit hat, wird in einem solchen Fall sein st√§ndiger Aufenthaltsort oder sein Wohnsitz als Ort der Besteuerung der Dienstleistungen angesehen (Art. 28b Ab. 3). ¬†¬†¬†

Laut Art. 28c oben des genannten Gesetzes werden Dienstleistungen, welche f√ľr nicht Steuerpflichtige geleistet werden, grunds√§tzlich an dem Ort besteuert, an dem der Dienstleistungsanbieter seinen Sitz wirtschaftlicher T√§tigkeit hat. Es gibt auch Ausnahmen von dieser Regel. Gem√§√ü Art. 28c Ab. 2 kann als Ort der Besteuerung der Dienstleistungen der st√§ndige Aufenthalt oder Wohnsitz des Dienstleistungsanbieters anerkannt werden, wenn der Dienstleistungsanbieter keinen Sitz seiner wirtschaftlichen T√§tigkeit hat. ¬†¬†¬† ¬†¬†¬†

Wenn ein polnischer Steuerpflichtiger Dienstleistungen f√ľr ausl√§ndische Unternehmen oder Verbraucher anbietet und der Ort der Dienstleistungen in Polen ist, werden in einem solchen Fall Dienstleistungen nach polnischem Mehrwertsteuerrecht besteuert.¬† ¬†¬†¬†

S√§mtliche Dienstleistungen sollten mit einer Rechnung dokumentiert werden. Die Rechnung soll die europ√§ische Steuer-Identifikationsnummer des Dienstleistungsempf√§ngers und des Dienstleistungsanbieters beinhalten. Die europ√§ische Steuer-Identifikationsnummer ist in Art. 97 des Gesetzes √ľber die Mehrwertsteuer geregelt. Laut dem Gesetz gib es zwei Gruppen von Steuerpflichtigen, welche die europ√§ische Steuer-Identifikationsnummer besitzen. Zu der ersten Gruppe geh√∂ren die Steuerpflichtigen, welche Unternehmer sind und grenz√ľberschreitende Dienstleistungen anbieten. Zu der zweiten Gruppe geh√∂ren die Steuerpflichtigen, welche Dienstleistungsaufkommen von √ľber 50.000 PLN haben und welche nicht als Unternehmer der ersten Gruppe qualifiziert werden k√∂nnen.¬† Wenn Dienstleistungsaufkommen in der zweiten Gruppe unter 50.000PLN ist, ist der Besitz der europ√§ischen Steuer-Identifikationsnummer freiwillig. Die europ√§ische Steuer-Identifikationsnummer muss vor der ersten Transaktion bei dem Leiter des Finanzamtes beantragt werden.¬†¬†¬†

Wenn ein polnischer Steuerpflichtiger Dienstleistungen f√ľr ausl√§ndische Unternehmer oder Verbraucher anbietet und der Ort der Dienstleistungen nicht in Polen, sondern in einem anderen EU-Land ist, werden in einem solchen Fall die Dienstleistungen nach dem Steuerrecht des jeweiligen EU-Landes berechnet. ¬†¬†¬†

In einem solchen Fall m√ľssen die polnischen Dienstleistungsempf√§nger ein Verzeichnis f√ľhren, in dem sie die Dienstleistungen beschreiben und den Moment des Steuertatbestandes bestimmen (Art. 109 des oben genannten Gesetzes). Der Steuertatbestand entsteht mit der Ausf√ľhrung von Dienstleistungen oder mit dem Zahlungsempfang (wenn die Zahlung vor der Ausf√ľhrung von Dienstleistungen stattgefunden hat). Diese Regel ergibt sich unmittelbar aus dem Gesetz √ľber die Mehrwertsteuer. Der Unternehmer muss in einem solchen Fall die Dienstleistungen, die nicht in Polen besteuert werden, trotzdem in einer polnischen Steuererkl√§rung nachweisen.¬†

Der Steuerpflichtige tr√§gt die Verantwortung f√ľr eine richtig ausgef√ľllte Steuererkl√§rung. Alle grenz√ľberschreitenden Dienstleistungen, welche ein Unternehmer in Polen versteuern l√§sst,¬† m√ľssen in der Steuererkl√§rung VAT wie andere inl√§ndische Transaktionen aufgef√ľhrt werden. ¬†¬†¬†

Auf grenz√ľberschreitende Dienstleistungen, welche nicht in Polen versteuert werden,¬† muss in der polnischen Steuererkl√§rung¬† jedoch hingewiesen werden.

Bei dem Dienstleistungsimport wird der Dienstleistungsempf√§nger als Steuerpflichtiger anerkannt. Im einem solchen Fall ist die Besteuerungsgrundlage ein Betrag, den der Dienstleistungsempf√§nger verpflichtet ist zu bezahlen (Art. 29 Abs. 17). Der Steuertatbestand wird mit der Ausf√ľhrung von Dienstleistungen oder mit dem Zahlungsempfang entstehen. Der Dienstleistungsimport muss mit einer Rechnung vom Dienstleistungsanbieter best√§tigt werden, und der Dienstleistungsempf√§nger muss die importierten Dienstleistungen in der Steuererkl√§rung nachweisen.